Zivilgesellschaft:NGOs: Globalisierungskritik
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Die „globale Zivilgesellschaft“ oder „Nichtregierungsorganisationen“ (NGOs) werden häufig als „Hoffnungsschimmer“ in Bezug auf Perspektiven globalen Widerstands gegen „den“ Neoliberalismus dargestellt. Zivilgesellschaft wird als eine Sphäre zwischen Staat, Markt und Familie aufgefasst. Dieser vorherrschende Begriff von Zivilgesellschaft ist dabei stark normativ aufgeladen, Ambivalenzen und Widersprüche drohen demgegenüber eingeebnet zu werden.
Antonio Gramsci hat demgegenüber einen anderen Begriff von Zivilgesellschaft entwickelt. Mit dem Konzept des „integralen Staats“ fasst er dabei nicht nur die Institutionen des Staats im engen Sinne, welche das Gewaltmonopol innehaben, sondern auch die Zivilgesellschaft, also nichtstaatliche Organisationen wie z.B. Kirchen, Vereine, Zeitungen, Clubs, etc... Die Zivilgesellschaft ist dabei jener Ort, wo die Auseinandersetzungen um Hegemonie stattfinden und wo Einfluss auf den Alltagsverstand ausgeübt wird. Gramsci schreibt in einer bekannten Wendung: „Staat = politische Gesellschaft + Zivilgesellschaft, das heißt Hegemonie, gepanzert mit Zwang“ (H. 6, § 88).
Eine gramscianische Perspektive eröffnet dabei neue Räume der Reflexion und der Bearbeitung von Widersprüchen. Diese wollen wir nutzen. Daraus lassen sich viele Impulse für aktuelle Debatten und Strategien gewinnen.
In der Arbeitsgruppe soll mit Gramsci ein kritischer Begriff von Zivilgesellschaft erarbeitet werden. In diesem Zusammenhang wollen wir versuchen, die aktuellen Entwicklungen besser zu verstehen und reflektieren, wo Potenziale und Perspektiven für emanzipatorische Ansätze und Projekte bestehen (und wo nicht).
Weiterführende Literatur
- Brand, Ulrich (2005): Gegen-Hegemonie. Perspektiven globalisierungskritischer Strategien. Hamburg: VSA. www.vsa-verlag.de/vsa/pdf_downloads/VSA_Brand_Gegenhegemonie.pdf
- Brand, Ulrich (2004): Stichwort "Internationale Zivilgesellschaft", in: Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus, Band 6/II, hrsgg. von W.F. Haug, Berlin/Hamburg
- Brand, Ulrich (2003): Das World Wide Web des Anti-Neoliberalismus. Entstehende Möglichkeiten postfordistischen Protests und die Unmöglichkeit eines globalen Keynesianismus. in: Scharenberg, Albert/u.a. (Hg.): Das Ende der Politik? Globalisierung und Strukturwandel des Politischen. Münster: Westfälisches Dampfboot
- Buckel, Sonja/Fischer-Lescano, Andreas (Hg., 2007): Hegemonie gepanzert mit Zwang. Zivilgesellschaft und Politik im Staatsverständnis Antonio Gramscis. Baden-Baden: Nomos.
- Demirovic, Alex (2001): NGO, Staat und Zivilgesellschaft. Zur Transformation von Hegemonie. in: Brand, Ulrich/u.a. (Hg.): Nichtregierungsorganisationen in der Transformation des Staates. Münster: Westfälisches Dampfboot.
- Röttger, Bernd (2004): Stichwort „Integraler Staat“, in: Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus, Band 6/II, hrsgg. von W.F. Haug, Berlin/Hamburg
- www.internationalgramscisociety.org/audio-video/index.html (Joseph A. Buttigieg zu Zivilgesellschaft/Audio)