Internationale Politik:Politische Ökonomie

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Der Einzug gramscianischen Denkens in die Disziplin der Internationalen Beziehungen zu Beginn der 1980-er Jahre durch Publikationen des Kanadiers Robert Cox, kann als Beginn der Herausbildung einer Theorie internationaler Hegemonialstrukturen und ihres historischen Wandels gesehen werden (Bohle 2006, 197). Neogramscianische Methoden und Forschungsansätze hatten jedoch auch Auswirkungen auf WissenschafterInnen in Europa. Der als Cox-Schüler geltende Stephan Gill, strebte mit seinem Konzept des „transnationalen historischen Materialismus“ (Gill 2003, 41) eine theoretische Weiterentwicklung an, welche die Analyse der neuen Weltordnung effektiver machen, sowie Perspektiven möglichen Widerstands erarbeiten sollte.

Unser Workshop, kann sich wie so viele andere auch, leider nur mit einem Teilaspekt des betitelten Themas beschäftigen bzw. mit einer spezifischen Fragestellung. Wir wollen untersuchen, inwiefern die europäische Integration mit dem Analyseinstrumentarium Gramscis zu fassen ist. Diese Frage stellen wir uns natürlich nicht als erste. Das Konzept einer neogramscianischen Integrationsforschung wurde in den letzten Jahren vor allem durch WissenschafterInnen aus Marburg geprägt. Dieses soll zu einem tieferen Verständnis und zu umfassenderer Analysemöglichkeit des Integrationsprozesses in Europa beitragen. Die „kritische Theorie der europäischen Integration“ (Bieling/Steinhilber 2000, 13), stellt vor allem durch ihre Kombination der Ansätze der Regulationstheorie, der Staatstheorie und der neogramscianischen Internationalen Politischen Ökonomie ein theoretisch-methodologisches Novum dar. Hierbei schafft sie es über die institutionellen, netzwerkorientierten und regulationstheoretischen Ansatzpunkte hinaus, auch gesellschaftliche Kräfteverhältnisse und die Transformationsprozesse von Akkumulationsregime im europäischen Integrationsprojekt zu berücksichtigen (Bieling/Steinhilber 2000, 13). Zentralen Stellenwert soll auch der Frage eingeräumt werden, welche politischen Akteure/soziale Gruppierungen emanzipatorisches Potential für eine Neugestaltung der europäischen Integration besitzen.

 

Weiterführende Literatur:

  • Bieling, Hans-Jürgen/Steinhilber, Jochen (Hg., 2000): Die Konfiguration Europas Dimensionen einer kritischen Integrationstheorie, Münster.
  • Bohle, Dorothea (2006): Neogramscianismus, in: Bieling, Hans-Jürgen/Lerch, Marika (Hg.): Theorien der europäischen Integration, Wiesbaden.
  • Borg, Erik (2001): Steinbruch Gramsci. Hegemonie im internationalen politischen System, in: blätter des iz3w, Nr. 256, 16-19. www.sopos.org/aufsaetze/3bbdcd9ea0c9f/1.phtml

  • Gill, Stephen (2003): Power and Resistance in the New World Order, Palgrave.